Ein Rettungshund wird zur Ortung eines lebenden Menschen ausgebildet – ein Wassersuchhund zur Ortung eines Ertrunkenen.

Die Spezialausbildung von Hunden wird in Deutschland nur von wenigen Organisationen durchgeführt. Die Bergung unterscheidet sich laut Rettungsdienstgesetz von der Rettung aus Lebensgefahr. Die Ausbildung von Wassersuchhunden ist extrem zeit- und kostenintensiv. Die laut Gesetz für die Bergung zuständigen Organisationen wie Feuerwehr und THW halten sich daher solche Hunde nicht zahlreich vor. Bei der Polizei z.B. nur 6 Wasserortungshunde bundesweit. Da die Wasserortung mit Hunden keinen hoheitlichen Bereich der Polizei tangiert, haben sich dieser Aufgabe private Staffeln angenommen. Diese werden zunehmend von den Behörden zur Ortung Ertrunkener angefordert. Eine enge Zusammenarbeit aller Kräfte sowohl bei der Ausbildung als auch im Einsatz ist hierbei unerlässlich. (s. hierzu auch www.suchhunde.de und www.rettungshundeseminare.de ).

Was ist Wasserortung?

In der Wasserortung werden die Hunde dazu ausgebildet, den Geruch eines ertrunkenen Mitmenschen zu suchen und genau die Stelle anzuzeigen, an der sie diesen Geruch wahrnehmen.

Warum tun wir das?

Wir haben uns für diesen Dienst an der Allgemeinheit entschieden, weil wir der Meinung sind, dass es für alle Angehörigen einer vermissten Person sehr wichtig ist, so schnell wie möglich Gewissheit zu haben. Erst wenn ein Vermisster geortet und geborgen wird kann für die Angehörigen der Prozess des Loslassens und Verabschiedens beginnen. Nicht nur für den Beginn des Trauerprozesses, sondern auch für die Regelung des Nachlasses und der persönlichen Angelegenheiten ist die Auffindung des Ertrunkenen unerlässlich.

Warum sind für eine solche Arbeit Hunde notwendig?

Bei der Suche nach Verunglückten besteht das Hauptproblem darin, dass ein großes Gebiet, welches meistens nur sehr vage beschrieben werden kann, von nur wenigen Tauchern und Rettungskräften abgesucht werden muss. Hinzu kommt, dass einem Taucher für die Suche unter Wasser nur ein begrenzter Zeitraum zur Verfügung steht. Dieser Zeitraum ist u.a. abhängig von der Wassertemperatur und der Wassertiefe.

Technisches Hilfsmaterial, wie Sonar und Echolot können oftmals auf Grund der Gewässerstruktur nicht effektiv eingesetzt werden. Somit bleibt in vielen Fällen nur die Suche „von Hand“. Das bedeutet, die Taucher müssen bei Sichtweiten von wenigen Zentimetern versuchen, einen Vermissten buchstäblich zu ertasten und dies in einem Suchgebiet von vielen Kubikmetern. Da der Gewässergrund meist schlammig und die Sicht unter Wasser oft gleich null ist, ist die Suche für die Taucher sehr anstrengend. Deshalb schreiben die Unfallverhütungsvorschriften explizit vor, wie lange ein Taucher täglich in welcher Tiefe tauchen darf. Ist dieses Limit erreicht dürfen weitere Tauchgänge erst an den Folgetagen durchgeführt werden.

Ein weiteres Problem stellt oftmals die ungenaue Beschreibungen der Beobachter eines Unglücksfalles dar. Sie sind in der Regel so ungenau, dass meistens ein Radius von weit über 100 Metern abgesucht werden muss. Dies bedeutet aus genannten Gründen einen sehr hohen Bedarf an Suchkräften, da der gesamte Radius auch in der Wassertiefe abgesucht werden muss. Somit ist es für die Einsatzleitung eine enorme Hilfe, wenn der Suchradius durch die Hilfe eines Wassersuchhundes eingeengt werden kann, bzw. wenn festgestellt werden kann, ob sich der Vermisste überhaupt im Gewässer befindet.

Einsatzgebiete von Wassersuchhunden

Die Suche vom Ufer aus (z.B. an kleineren fließenden Gewässern, am Rande von Überschwemmungsgebieten)

Die Suche vom Boot aus (häufigster Einsatzfall)


Wie werden diese Hunde ausgebildet?

Aus Pietät einem Verstorbenen gegenüber lehnen wir die Ausbildung mit menschlichem Gewebe grundsätzlich ab, zumal die langjährigen Erfahrungen seriöser Wassersuchhundeausbilder gezeigt haben, dass dies nicht notwendig ist. Man verwendet inzwischen chemische Geruchsstoffe oder Leichentücher. Chemische Geruchsträger sind allerdings kostenintensiv und zudem leicht flüchtig also für die Ausbildung nur begrenzt einsetzbar. Ein weiteres Problem ist, dass die chemischen Geruchsstoffe nur ein Geruchsmuster abgeben. Leichentücher haben sich als effektivste Ausbildungsart erwiesen und werden inzwischen auch von der Polizei verwendet. Unter Leichentüchern versteht man dabei die ganz normalen Kleidungsstücke eines Verstorbenen, die oftmals im Bestattungsunternehmen nach der Umkleidung des Verstorbenen entsorgt werden. Ebenfalls ist es möglich beliebige Textilien mehrere Stunden auf einen Verstorbenen zu legen, bis diese mit dem Verwesungsgeruch behaftet sind. Die Art der Textilien ist dabei unerheblich, allerdings verbleibt das Geruchsmuster bei Lederartikeln intensiver und ausdauernder. Aus hygienischen Gründen verwenden wir Textilien mit Blut- oder Urinbehaftung nur bedingt. Durch diese Art der Ausbildung ist es möglich pietäts- und respektsvoll zu arbeiten und die Hunde im Laufe der Zeit an unterschiedliche Verwesungsgeruchsmuster zu gewöhnen. Bezogen werden diese Tücher sowohl über die Pathologie als auch über Bestattungsunternehmen. Wir selber bevorzugen den Kontakt zu den ansässigen Bestattern und versuchen im persönlichen Gespräch unsere Arbeit darzustellen, da wir uns darüber bewusst sind, wie sensibel dieser Bereich ist. Nur Vertrauen und Seriosität ermöglicht es uns geeignetes Ausbildungsmaterial zu erhalten – um den Angehörigen eines Vermissten mit unseren Hunden helfen zu können.

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